Factoring – Rechnungen verkaufen
Selbstständige kennen das wahrscheinlich nur all zu gut. Kunden haben es oftmals eilig, Projekte müssen am besten gleich fertig sein. Ist das Projekt dann erfolgreich verlaufen und die Rechnung gestellt, lässt die anfängliche Brisanz nach. Die Rechnung wird zum offenen Posten, der sich wie Kaugummi durch die Mahnstufen zieht.
Einen Kunden möchte sich natürlich keiner vergraulen, daher bleibt es zu Beginn bei den freundlichen Zahlungserinnerungen und Telefonaten. Ganz selten hilft auch das nicht und dann wird auch schnell mal in Abhängigkeit der Betragshöhe eine Rechnung ausgebucht, bevor umständliche und massive rechtliche Schritte eingeleitet werden.
Eine Lösung könnte das factoring sein. Beim factoring, wird die Forderung (Rechnung) an eine Bank verkauft. Innerhalb von 48 Stunden werden so i.d.R. 80 – 100% des Gesamtbetrages auf dem Dienstleisterkonto gutgeschrieben. Die Bank leitet die Rechnung nach Erhalt in neutralem Umschlag an den Kunden weiter und verwaltet ab dann im eigenen Namen die Forderungen. Der Dienstleister kann sich freuen – nach Abzug von etwa 4% des Rechnungsendbetrages für Zinsen und Bearbeitungsgebühr hat er schnell sein Geld und behält damit seine Liquidität, sowie die Kreditlinie.
Wird die Rechnung im Rahmen des Zahlungsziels ausgeglichen ist soweit alles OK. Tritt jedoch der Fall der Nichtzahlung ein, beginnt die Bank mit dem Inkasso. Das dürfte dem ein oder anderen Kunden nicht schmecken! Schließlich hat er es nun nicht mehr mit dem “kleinen Dienstleister ” um die Ecke zu tun, sondern mit einem Konzern voller Juristen und Fachpersonal mit dem einzigen und erklärten Ziel: ZAHLEN!
Dem Leistungserbringer kann es egal sein – sollte man meinen. Er hat sein Geld und die Bank verleiht der Forderung und damit dem Abschluss des Geschäftes den wohl erforderlichen autorisierten Nachdruck. Genau dieser Nachdruck könnte jedoch auch die Geschäftsbeziehung zwischen dem Leistungerbringer und dem Kunden empfindlich stören. Natürlich bleibt der Dienstleister oder Verkäufer, vorbehaltlich irgendwelcher Mängel im Recht – im steht das Geld zu! Aber ob das der Kunde letztendlich auch so sieht?
