Expressionengine vs. WordPress

Content Management Systeme (CMS) gibt es ja prinzipiell viele. Das Problem bei vielen CMS ist, dass sich die Entwickler offensichtlich wenig Gedanken um die Autoren und Redakteure machen. Bei vielen CMS ist die Lernkurve daher mitunter gewaltig – der beste Beweis dafür dürfte beispielsweise Typo3 sein.

Das bislang einfachste CMS ist für uns WordPress – daher nehmen wir dies in unserem kleinen Vergleich als Vorlage und Vergleichen es mit Expression Engine 2.

WordPress

WordPress ist weltweit das beliebteste Blogsystem (und ist damit ein CMS) lässt sich beliebig erweitern (über 10.000 Plugins) und das Theming, also die Gestaltung des Layouts stellt keine besonderen Anforderungen.

Vorteile:

  • kostenlos durch Open Source
  • leichte Erweiterbarkeit durch viele kostenlose Erweiterungen (Plugins)
  • viele (kostenlose) Layoutvorlagen (Themes)
  • grosse, auch deutschsprachige Community
  • einfachste Bedienung
  • schnelle Installation
  • gute, ausführliche Dokumentation (englisch, teilweise auch deutsch)

Nachteile:

  • Blog Overhead (wer die Funktionen des Blogs nicht gerne nutzt, zieht diese trotzdem umher)
  • Erweiterungen ziehen das System teilweise deutlich runter
  • Einschränkungen in der Gestaltungsmöglichkeiten von Layouts im Bezug auf Inhaltselemente
  • Stabilitäts- und Performanceprobleme bei Verwendung von zu vielen Plugins
  • geringfügige Einschränkungen durch the_loop im Gestaltungsbereich
  • eingeschränkte Kontrolle über den Ausgabequellcode (teilweise nur über Filter möglich)
  • häufige Updates

getestete Version 3.0.1 – etwa 10 MB

Häufige Updates müssen natürlich nicht nur nachteilig sein – schliesslich kommen ja auch oft neue Funktionen hinzu. Dennoch lässt sich feststellen, dass sowohl die Coredateien, als auch die Plugins einer sehr häufigen Pflege bedürfen. Die Erweiterungen durch Plugins, sind bei richtiger Serverkonfiguration jedoch direkt über das WordPress Repository installierbar. Keine FTP Uploads erforderlich, somit keine Abbrüche oder ähnliches. Das gleiche gilt für die Updates des Coresystems. Binnen weniger Sekunden sind die neuen Files installiert. Die Vorteile von WordPress bringen automatisch auch einige Probleme mit sich:

So bringen viele Plugins Ihre eigenen CSS und Javascript Dateien mit. Insofern Plugins nicht korrekt programmiert wurden, kann es passieren das einige – vor allem Javascriptdateien – einfach mehrfach beim Seitenaufruf geladen werden. Die Anzahl der http Requests steigt daher mitunter rapide an und dadurch leidet die Gesamtperformance der Seite. Wer diese Probleme beheben will, benötigt mitunter viel Geduld um Files manuell zu editieren, oder eine ausgeklügelte functions.php bzw. weitere Plugins wie W3 Cache um derartige Probleme einigermassen in den Griff zu bekommen.

Im Bezug auf die Gestaltungsmöglichkeiten, kommt WordPress relativ zügig an seine Grenzen wenn es darum geht, mehrere Inhaltsblöcke auf einer Seite zu verwenden. Von Grund auf, gibt es nämlich für eine Seite nur einen Inhaltsbereich für den Hauptcontent und diverse Widgets, die sich jedoch allesamt in der Sidebar versammeln.

Daher lassen sich einfach strukturierte Layouts prima mit WordPress füllen. Die Elemente Header; Content incl. Überschrift und Inhaltsbereich, sowie einer ggf. gewünschten Kommentarfunktion; die Sidebar; sowie der Footer.

Genau diese “Einschränkung” sorgt aber dafür, dass WordPress Seiten durchaus schon von weitem als solche zu erkennen sind. Freilich könnte die Sidebar auch auf der anderen Seite stehen, aber die Gestaltungsmöglichkeiten sind einfach begrenzt.

Mit einigen Erweiterungen (z.B. Magic Fields), oder mit den in WP 3.0 hinzugekommenen Custom Post Types lassen sich jedoch weitere Eingabemöglichkeiten innerhalb eines Artikels definieren und später bei der Ausgabe der Webseite getrennt darstellen. Fairerweise sei jedoch gesagt, dass diese Felderweiterungen in der Verwaltungsoberfläche (Backend) nicht sonderlich professionell daherkommen. Das Backendlayout ist zu ausladend, als dass es weitere Felder übersichtlich darstellen würde. Die sonst sehr einfach gehaltene WordPressbackend wird dann etwas klobig bis unübersichtlich (ja nach Anzahl der Erweiterungen).

Ein weiterer Ansatz für die Gestaltungsmöglichkeit, ist die Verwendung von bestimmten Erkennungsmerkmalen (z.B. Kategorien) um Inhalte auf einer Seite zusätzlich mit auszugeben. Letztlich gibt es noch einige Templateframeworks die die fehlenden Funktionen zur Verfügung stellen sollen.

Halten wir also fest: Grundsätzlich wäre auch die Ausgabe mehrere Inhaltsblöcke über einen Artikel möglich. Dazu muss WordPress aber erweitert werden und verliert dabei mitunter an Übersichtlichkeit.

Daher gilt es, andere CMS Systeme in Betracht zu ziehen um derartige Anforderungen zu realisieren. Ein konzeptionell ähnliches CMS ist Expression Engine.

Expression Engine 2

Vorteile:

  • ausgereifter Templatemanager
  • schlüssiges Konzept zur Verwaltung und Verbindung von Inhalten
  • gute, ausführliche englische Dokumentation
  • absolut flexibles Themeing möglich
  • nahezu volle Kontrolle über den Ausgabequellcode

Nachteile:

  • kostenpflichtig und kommerzialisiert
  • kleinere Community – vor allem englisch
  • erhöhter Einarbeitungsaufwand

Getestete Version: 2.1.0 – etwa 15 MB

Der größte Nachteil vorab: Expression Engine 2 ist nicht kostenlos, je nach Verwendungszweck werden bis zu 299 US Dollar aufgerufen – für die Forensoftware mitunter noch einmal 99,95 US Dollar. Dieser Nachteil zieht sich auch durch die Community – hier ist deutlich der Kommerz im Vordergrund zu spüren.

Die Bedienung von Expression Engine erinnert wie erwähnt in Teilen an WordPress und gefällt damit wohl auch jedem, der mit der WordPressnavigation gut zurecht kommt. Jedoch wartet Expression Engine gleich mit wesentlich mehr Menüpunkten auf, die auch benötigt werden. Expression Engine kann ebenfalls durch Plugins und Extensions erweitert werden, diese sind aber nicht so zahlreich wie im Falle von WordPress. Dies ist aber nicht unbedingt von Nachteil, denn die selteneren Erweiterungen sind perfekt auf das aktuelle System abgestimmt. Jedoch sind einige Extensions wie auch Expression Engine selbst gelegentlich kostenpflichtig.

Insgesamt muss beim Layout vollständig selbst Hand angelegt werden – dass ist natürlich kein Problem für einen Webdesigner, kostet jedoch Zeit. Als Ergebnis kommt aber bei entsprechender Umsetzung ein perfektes Template dabei heraus, dass vollständig in der Hand des Designers liegt. Bei WordPress hingegen werden mitunter auch Dinge in den Quellcode geschleust, die sofern nicht gewünscht, etwas umständlich über Filter entfernt werden müssen.

Fazit beim Vergleich WordPress – Expressionengine

Die Systeme lassen sich nicht unmittelbar miteinander vergleichen. WordPress ist für die Verwendung als Blogsoftware sicher auf Platz 1. Im Vergleich als CMS, hinkt WordPress aktuell noch etwas hinterher. Leichte Bedienung und Automatisierung kostet den Preis, nicht alles “unter Kontrolle” zu haben. Die Möglichkeiten zur individuellen Layoutgestaltung sind auch mit WordPress denkbar – jedoch ist dabei einiges an Aufwand erforderlich. Expressionengine bietet dies hingegen souverän von Beginn an. Jedoch schrecken die Lizenkosten eher ab.

WordPress ist für uns – für einfache Seiten nach wie vor das Werkzeug der ersten Wahl. Expressionengine wird von uns – trotz Lizenzkosten – gegenüber Joomla bevorzugt. Abzuwarten bleibt, wie sich Drupal mit der anstehenden Version 7 anstellt. Drupal 7 wird nicht abwärtskompatibel zu dem in Teilen komplizierten Vorgänger sein. Daher bleibt abzuwarten wann Drupal 7 in einer stabilen Version herauskommt und welche Änderungen dann alle enthalten sein werden. Schlussendlich bleibt noch Contao (vormals Typolight), welches sich auf unsere Liste interessanten CMS für einen näheren Test einreihen wird.

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